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| Vorstand |
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< Dr.
MarenKratschmer- Kroneck
Vorsitzende
< Hartmut Schwager
Stellv.Vorsitzender
< Adelheid Garschke
Geschäftsführer
< Hildegard Hirschel
Schatzmeisterin
< Christine Mantzsch
Schriftführer |
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Die
Möglichkeit, Skulpturen inmitten einer idyllischen Uferlandschaft
zu errichten, kam meiner Auffassung, die Auseinandersetzung mit bildender
Kunst im Freiraum nicht allein den Metropolen vorzubehalten, sehr
entgegen.Das l. Internationale
Steinbildhauer-Symposium Peace-Stones of Europe" am Kunstufer
Remschütz bei Saalfeld war ein beachtenswerter Schritt zur Verwirklichung
dieser Vision. Darüber
hinaus bietet ein öffentlich zugängliches Symposium Möglichkeiten,
die Entstehung von Kunstwerken zu erleben und mit Künstlern
ins Gespräch zu kommen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die
internationale Beteiligung ausgewählter Künstler, um dem
Projekt überregionale Bedeutung zu verleihen. Nach
zweijähriger Vorbereitungszeit, deren Verlauf einer Gratwanderung
glich, konnte das Symposium am 19. Juni 1994 feierlich eröffnet
werden. In vierwöchiger Arbeit schufen elf Bildhauerinnen und
Bildhauer aus drei Nationen Kunstwerke, die als Dauerleihgaben an
ihrem Entstehungsort verbleiben.Sie
sind das Fundament eines Skulpturenparks, der durch nachfolgende
Symposien erweitert werden soll und den anspruchsvollen Namen "Europäischer
Friedenspark in Remschütz
bei Saalfeld" tragen wird. Das gewachsene kulturelle Interesse
der Stadt Saalfeld und die Zusage, dieses Projekt auch weiterhin
zu fördern, geben Anlaß, auf eine Fortführung
des beschrittenen Weges zu hoffen. All
jenen, die dazu beitrugen, das Steinbildhauer-Symposium zu verwirklichen,
sei dieser Katalog in besonderer Anerkennung und Dankbarkeit gewidmet.
Kristian Körting |
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Skulpturenpark
am Saale-Ufer |
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Vom 19. Juni
bis 17. Juli 1994 organisierte und leitete der Keramiker Kristian Körting unter
der Schirmherrschaft von Landrat und Bürgermeister am Saale-Ufer
Saalfeld-Remschütz (Florian-Geyer-Straße) das internationale
Steinbildhauer- symposium
PEACE-STONES OF EUROPE.
In Kunstzeitschriften Frankreichs, Italiens, Spaniens, Österreichs, Belgiens
und Deutschlands waren Wettbewerbs -Aufrufe veröffentlicht worden.
49 Künstler bewarben sich.
Eine Jury aus Bildhauern und Kunstwissenschaftlern (Ingo Garschke, Karl Jüttner,
Volkmar Kühn und Herbert Schönemann) entschied sich für 12 Künstler
aus Deutschland: Marguerite Blume-Cärdenas, Sylvia Bohlen, Reinhard Bombsch,
Claudia Endres, Regina Lange, Anna Franziska Schwarzbach, Anne Sewcz und Emerita
Pansowovä, aus Frankreich: Valerie Thuillier und Frank Turpin, und aus Belgien:
Jörg Enderle und Doris Schälling. Zur Realisierung des Wettbewerbs
waren von Förderern und Sponsoren 125 TDM gespendet worden. Jeder Teilnehmer
erhielt ein Arbeits- stipendium.
Die Kunstwerke blieben ihr Eigentum, verblieben aber als Leihgaben am Entstehungsort.
Hierfür pachtete der Kunstverein eine Fläche von ca. 2.700 m 2 Ufergelände. |
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Nachricht per Stein
aus dem Jahre 5
1 Es ist eine uralte Sehnsucht des
Menschen, den Stein zu besiegen, ihm sein Ebenbild aufzuzwingen und
ihn dann als Nachricht der Nachwelt zu hinterlassen. Dabei stecken
in jeder Skulptur zwei Schicksale: (1) das des „Rohlings", eines
in Jahrmillionen gewachsenen und von Urkräften gepreßten
Steins, ein Stück Erdgeschichte, sedimentiert zu einem Steinmorphem,
und (2) das des Bildhauers, der den „Rohling" zu einer Gestalt
zwingt und ihm seine Seele einhaucht Sei es als rebellischer Prometheus,
der seine Plastiken im Trotze geschaffen hat, oder als genüßlicher
Pygmalion, dem sein Stein zum Objekt der Begierde geworden ist. Aber
auch das ist eine uralte Sehnsucht des Menschen.- Stein / was schließt
du ein? Um schließlich voller Neubegier dem nachzugraben und
-zumeißeln, was ein „Rohling" an Leben und Seele in
sich birgt, also die respektvolle archäologische Freilegung ausgestandener
Drücke und Verwerfungen, von Evolutionen und Revolutionen.
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Stones of Europe - ein im ersten Augenblick anmaßendes Motto für einen
erst noch zu schaffenden Skulpturenpark am Remschützer Saale-Ufer, drei
Kilometer nördlich von Saalfeld, im Sommer 1994 von Kristian Körting
besessen ins Leben gesetzt. Ein Jahr lang hat er für diesen Traum hartnäckig
nach Sponsoren gesucht und sich gegen alle Trägheiten und Widerstände
behauptet. Die Ausschreibung sollte Europa-offen sein. Die Europa-Idee im Sinn:
Was tut sich in Bildhauerköpfen im Jahre 5 nach der Implosion eines totalitären
Weltsystems? Elf Bildhauer, davon 8 Bildhauerinnen, waren aus drei Ländern
aus fünfmal größerem Bewerberfeld ausgewählt worden. Sie
gruben sich - je nach Vermögen, Temperament und Charakter - bis zu vier
Wochen lang in die Lothringer Sandsteinblöcke und schufen so Ge-Bilde nach
ihrem Bilde. Setzen wir voraus: die Europa-Idee auch in ihrem Sinn.Nachdem die
schöpferischen
Gewaltakte vorbei und die Skulpturen in derSaale-Au stehen, können wir sie
voller Neugier betrachten. Neugier auch deshalb, weil eine Skulpturenwiese in
einem mitteldeutschen Dorfidyll eine unglaubliche Sehenswürdigkeit ist.
Daß an ihr der Eurocity-Expreß von Berlin nach Zagreb vorbeidonnert,
kann einen nur freuen, und da kommt dann ein zweitesmal Europa ins Spiel.
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Wie also haben sich die elf Bildhauerinnen do per Feld- und Wahrzeichen postiert
und positioniert? Welche Nachricht wollen sie Zeitgenossen und Nachwelt aus diesem
Jahre 5 übermitteln? Was wurde da aus den zwei Kubikmetern Sandstein freigesetzt
bzw. in ihnen als Denk-Mal verewigt?
Ein stürzender Ikarus.
Eine trauernde Hockende.
Ein ungleiches Paar.
Eine ausbrechende Loreley.
Eine Historie vom Labyrinth.
Ein durchstoßener Stein.
Ein Stein in instabiler Lage.
Ein Widerspiel von Konstruktion und Destruktion.
Ein Brunnen, der keiner ist.
Eine Persiflage auf Europa und den Stier.
Das ist sowohl klartextlich als auch allegorisch-metaphorisch gemeint und thematisch
schon eines Nachgehens wert, ist z. T. ideologisch motiviert (wie wir Ossis es
gelernt haben), meint z. T. aber auch eine ganz freie ästhetische Umsetzung.
Es liefert aber durchaus einen Querschnitt durch die Denkmuster in diesem Jahre
5. Man kanns in jedem Falle als widersprüchliche Hinterlassenschaft betrachten.Auch
die künstlerischen Vermögen artikulieren sich in diesen Steinen menschenmöglich
breit in Handschriften und Niveau. Es gibt die Versuche, mit oder gegen den Stein
zu arbeiten; es gibt die Versuche, die Sprache der Kunsttradition fortzuführen,
Figürliches konventionell beizubehalten, für sich zu nutzen und daraus
zu Stein erstarrtes Leben zu gestalten; es gibt Versuche, alles Narrative und
Phraseologische zu negieren und den Stein selber als autonomes Wesen zu betrachten.
Immer aber zeigt sich am Ende der Künstler pur mit seinen Träumen und
Traumen, wie es Kunst - in welchen Gezeiten und Höhenlagen auch immer -
eben an sich hat
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Noch ist das Kunstufer bei Saalfeld
auf keiner Landkarte als Skulpturenpark verzeichnet, noch gibt es kein
Hinweisschild auf der B 85, noch vermeldet es kein Fremden- und kein
Kunstführer. Vielleicht weil die elf Skulpturen erst als ein Anfang
gedacht sind, der Fortsetzung verheißt und verlangt Ich bin mir
indes sicher, daß bald Öffentlichkeit in größerem
Rahmen hergestellt sein wird, um manchen zu einem Abstecher oder gar
zu einer Reise zu provozieren. Und ertragen können diese Steine
jede Neugier, jede Kritik und alle Wetter.
Prof. Dr. Edwin Kratschmer |
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Über Verlauf
und Ergebnis der Aktion liegt ein Katalog vor:
"Stones of Europe", hg. vom Kunstverein Saalfeld e. V. (Red. Kristian
Körting), 1994 |
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Fotografien:
Color: Kristian Körting
S/W: Wolfgang Korall |
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